Anorexia nervosa

Wenn die Psyche sich über das Essen mitteilt

Von Eva Herzog · 2014

Genussvolles Speisen ist für Patienten mit Essstörungen nicht mehr möglich und muss oft von Grund auf neu erlernt werden.
Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich.

100g Gurke haben sechzehn Kalorien, ein Kopf Salat noch weniger. Wenn die Gedanken nur noch um Essen und Gewicht kreisen, handelt es sich oft um Essstörungen, wie Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, die Binge Eating-Störung. Alle diese Krankheiten haben verheerende Auswirkungen auf das psychische und physische Wohlbefinden. Eine traurige Statistik zeigt, dass aufgrund der stetigen, körperlichen Schädigung Anorexia nervosa unter den psychischen Erkrankungen eine der höchsten Sterblichkeitsraten besitzt. 

Wenn Essen zur Qual wird

Während Essen für die meisten von uns Genuss bedeutet, spielen bei jedem fünften Jugendlichen völlig andere Emotionen in Verbindung mit Essen eine Rolle. Die Krankheit betrifft in der Mehrzahl der Fälle Mädchen, aber auch immer mehr Frauen im gestiegenen Alter und junge Männer erkranken daran. Die Schönheitsideale mit Modelmassen werden häufig dafür verantwortlich gemacht. Vermeintlich perfekte, dünne Körper prägen bereits in Jugendzeitschriften das Vorbild für die Zielgruppe, die mit elf und siebzehn Jahren in einem Alter ist, wo sich das persönliche Bild des Körpers formt. Doch nicht nur der Mager-Model-Trend ist Auslöser dafür. Die Betroffenen haben häufig durch erlebte, psychische Traumata ein verzerrtes Selbstbild von sich und fühlen sich stark unter Druck gesetzt. Scham, Schuld, Verweigerung und Furcht – die Seele drückt über das Essverhalten bei Essstörungen das aus, was mit Worten nicht (mehr) möglich ist. 

Die Sucht mager zu sein ist oft die Suche nach Liebe und Verständnis

Während Magersüchtige sich generell als zu dick empfinden, selbst wenn sie erhebliches Untergewicht aufweisen, können Bulimiekranke normalgewichtig sein oder auch Übergewicht haben. Das Ideal ist wie bei der Bulimie ein sehr schlanker Körper. Binge Eating äussert sich wie die Bulimie ebenfalls durch wiederholte Heisshungerattacken und Fressanfälle, allerdings ohne anschliessendes Erbrechen oder den Missbrauch von Abführmitteln. Das Schamgefühl darüber ist in jedem Fall so gross, sodass die Betroffenen die Krankheit selbst vor den engsten Vertrauten verheimlichen.

Durch Traumata haben die Betroffenen häufig ein verzerrtes Selbstbild

Um diese Krankheiten zu therapieren bedarf es oft mehr,als familiären Rückhalt. Psychotherapie, Familientherapie, Ernährungsberatung und der Austausch in Selbsthilfegruppen sind nur wenige Aspekte, die es ermöglichen, die Essstörung zu heilen. Je nach Krankheitsbild ist auch ein mehrwöchiger, stationärer Aufenthalt in einer spezialisierten Klinik nötig, um dauerhaft stabil zu bleiben und den Körper nicht weiter lebensgefährlich zu schädigen. In Abwesenheit von Alltag und Familie können so die Probleme oft besser besprochen werden, die anders häufig als belastende Faktoren einwirken.