Beckenbodenbeschwerden

Wenn die Bänder lockerlassen

Von Eva Herzog · 2014

Wer bei Senkungsbeschwerden und Bändern an Gewicht und Gymnastik denkt, der irrt.
Denn wer davon betroffen ist, hat Probleme mit dem Beckenboden.

Zu den typischen Leiden in der Frauenheilkunde zählen auch die sogenannten Senkungsbeschwerden.
Viele Frauen kennen das und dennoch handelt es sich hierbei um ein Thema, worüber keine gerne spricht. Dabei sind ein schneller Besuch und ein Gespräch mit dem behandelnden Gynäkologen wichtig, um angemessen darauf reagieren zu können.

Der Blasenvorfall

Karin T. 51, Lehrerin, erinnert sich: «Zunächst habe ich immer öfter bemerkt, dass ich beim Niesen ein paar Tröpfchen Urin verlor und nach einer Weile, spürte ich ein Fremdkörpergefühl und einen erhöhten Druck in der Scheide. Ein seltsames Gefühl, das mich sehr beunruhigt hat.» Die Diagnose des Gynäkologen: Blasenvorfall – auch Zystozele genannt.
Dabei handelt es sich um einen Vorfall der Blase in die Scheide: Die Blase fällt aus ihrer optimalen, anatomischen Ursprungsposition im kleinen Becken und rutscht in die Scheide. Ausgelöst wird der Vorfall dadurch, dass die Bänder, die Beckenboden und die Organe darin halten, nicht mehr über genügend Kraft und Spannung verfügen. Experten bezeichnen die Senkung als Deszensus und häufig liegen mehrere Deszensusarten gleichzeitig vor. Mediziner nennen den Vorgang multifaktoriell, was so viel heisst wie: Es gibt keinen eindeutigen Auslöser. Bei manchen Frauen ist es ein von Natur aus schwaches Bindegewebe, vor allem im Klimakterium, was durch Belastungen, wie zu schweres Heben, zusätzlich überdehnt wird. Bei anderen Frauen ist der Auslöser eine Geburt, die zu einer starken Belastung und Überdehnung der Bänder führt. Auch Übergewicht ist ein Risikofaktor.

Die Blase kann bei Senkungsbeschwerden in die Scheide rutschen

Bemerkbar macht sich die Krankheit neben einem Fremdkörpergefühl in der Scheide, unter anderem durch unwillkürlichen Harnverlust. Auch Blut im Urin und Ausfluss können als Begleiterscheinung auftreten und häufig können die Frauen dabei das Organ, was sich in die Scheide gewölbt hat, selbst ertasten. Betroffen sein können neben der Blase auch Gebärmutter und der Darm.

Behandlung hängt vom individuellen Krankheitsbild ab

Bei schwerwiegenden Fällen, wenn also Organe in ihrer Funktion beeinträchtig sind, auf die Harnblase oder den Darm drücken, muss operiert werden, um eine Restharnstauung und andere mögliche Entzündungen zu vermeiden. Bei früher Diagnose und schwach ausgeprägten Symptomen kann schon eine Änderung des Lebensstils helfen. Auch der Einsatz eines Pessars wird von vielen Ärzten unterstützend empfohlen. Aber gerade verschiedene Sportarten wie reiten, walken und spezielles Beckenbodentraining sind sowohl Therapie als auch Vorbeugung. Eine gut trainierte Muskulatur kann die überdehnten Bänder unterstützen und somit Senkungsbeschwerden vorbeugen.