Frauen

Weitaus mehr als «Weiberkram»

Von Nadine Effert · 2017

Den Spagat zwischen Job und Familie zu meistern, ist keine einfache Aufgabe.

Kinderwunsch? Karriere? Menopause? Falten? Im Laufe ihres Lebens stolpern Frauen über viele Themen und entdecken auf ihrer Reise auch die kleinen und grossen Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Wer kennt ihn nicht, den Buchtitel «Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus. Tausend und ein kleiner Unterschied zwischen den Geschlechtern». Von dieser Sorte stereotyper Lektüre gibt es viele, manche entpuppten sich als Bestseller und schmücken zahlreiche Regale heimischer Wohnzimmer. Aufklärungsarbeit? Oder eine simple Bestätigung dessen, was wir ohnehin schon immer wussten: «Männer sind anders. Frauen auch». Die meisten Menschen haben konkrete Vorstellungen davon, was typisch für das jeweilige Geschlecht ist. Doch können Frauen tatsächlich schlechter einparken? Und sind Männer per se keine guten Zuhörer? Brauchen wir auf solche Fragen überhaupt pauschale Antworten? Fakt ist: Es gibt erwiesene Unterschiede. So können bekanntermassen nur Frauen zum Beispiel Kinder gebären oder von bestimmten Krankheiten wie Gebärmutterhalskrebs, Endometriose oder Scheidenpilz betroffen sein. 

Schweizerinnen leben länger

Auch werden Frauen im Schnitt älter als Männer. In den vergangenen 40 Jahren ist der Vorsprung an Lebensjahren jedoch von 3,9 auf 2,1 Jahre gesunken. Möglicher Grund: eine Anpassung der Lebensstile. Männer entwickeln sich tendenziell weg vom «Arzt-Muffel» hin zu einem gesundheitsbewussten Individuum. Gleichzeitig gehen junge Frauen heutzutage mehr (maskuline) Risiken ein, sei es im Strassenverkehr, bei Hobbies oder im Sexualleben. Über alle Altersgruppen hinweg betrachtet, zeigt sich allerdings, dass Frauen unterm Strich häufiger auf eine gesunde Ernährung achten, rascher bei Beschwerden einen Arzt aufsuchen und regelmässig zum Vorsorgeuntersuch gehen, das geht aus diversen Umfragen hervor. Die gute Nachricht: Obwohl die Lebenserwartung von Frauen langsamer wächst, weisen Schweizerinnen im internationalen Vergleich mit 85 Jahren eine der höchsten Lebenserwartungen bei Geburt auf.

Einfluss von Lebensphasen 

Frauengesundheit reduziert sich nicht rein auf biologische Aspekte, auch psychische und soziale Faktoren spielen für das allgemeine Wohlbefinden eine grosse Rolle. Darauf Einfluss hat ebenso die jeweilige Lebensphase der Frau, etwa Schwangerschaft oder Wechseljahre, und das Alter. Wenn es um typische Frauenthemen geht, sind auch immer grosse Emotionen im Spiel. Wie zum Beispiel Freude, wenn ein Baby unterwegs ist oder der nächste Schritt auf der Karriereleiter erklommen wird, Scham, wenn Beschwerden den Intimbereich betreffen, Ängste, dass Vorsorgeuntersuchungen eine Krankheit zutage bringen könnten, und die Sorge, dass das Älterwerden mit einem Attraktivitätsverlust oder mit Krankheit einhergeht. Fest steht: Das Risiko für bestimmte Krankheiten nimmt mit zunehmendem Alter zu. Das betrifft auch Brustkrebs, der häufigsten Krebsart bei Frauen. Aufgrund einer verbesserten Früherkennung und gezielteren Therapiemethoden ist die Sterberate seit einigen Jahren gesunken – trotz der steigenden Zahl an Neuerkrankungen. Auch junge Frauen können die Diagnose erhalten, was zeigt, dass das Alter allein nicht ausschlaggebend ist. Neben einer genetischen Veranlagung, gibt es eine ganze Reihe an unterschiedlichen Risiko-faktoren – zum Beispiel Rauchen, zu wenig Bewegung oder Stress. 

Heute an morgen denken

Eine im «Journal of Occupational and Evironmental Medicine» veröffentlichte Studie der Ohio State University brachte ans Licht, dass Überstunden im Job insbesondere für Frauen ungesund sind und zu gefährlichen Langzeitfolgen führen können – und das ab einem Arbeitspensum von 50 Stunden pro Woche. «Besonders Frauen, die mehrere Rollen gleichzeitig zu stemmen haben, bekommen die Effekte intensiver Arbeit zu spüren», so Studienautor Allard Dembe. Damit spricht der Professor die Doppelbelastung in Beruf und Familie an und fordert von Unternehmen ihren Mitarbeitenden etwa mit flexiblen Arbeitszeiten und gesundheitlicher Fortbildung unter die Arme zu greifen. Diesbezüglich ist die Schweiz gut aufgestellt. Der Kulturwandel kommt immer mehr in die Gänge – auch wenn hier und da noch ein Gang hochgeschaltet werden muss, etwa was das Salär und die Bekleidung von Führungspositionen anbelangt. In der Arbeitswelt gibt es sie eben auch: die kleinen, aber feinen Unterschiede zwischen den Geschlechtern.