Schlaflosigkeit

Kampf gegen schlaflose Nächte

Von Corinna Tonner · 2015

Man wälzt sich im Bett unruhig hin und her und fühlt sich am nächsten Tag wie gerädert. Schlafstörungen sind keine Seltenheit –
vor allem Frauen sind betroffen.

Jeder vierte Schweizer leidet laut Bundesamt für Statistik unter Schlafstörungen - darunter 28 Prozent Frauen und 20 Prozent Männer. «Die» Schlafstörung gibt es nicht: Ihr liegen über 80 verschiedene Krankheitsbilder zugrunde. Art und Ursachen sind bei Männern und Frauen oft sehr unterschiedlich und geschlechtsspezifisch ausgeprägt. So leiden ältere, übergewichtige Männer oft unter Schnarchen und der damit verbundenen Schlafapnoe, also dem Aussetzen der Atmung. 

Schlafapnoe bei Frauen

Neue Erkenntnisse zeigen allerdings, dass auch Frauen unter Schlafapnoe leiden. Privatdozent Dr. Ramin Khatami von der Schweizerischen Gesellschaft für Schlafforschung, Schlafmedizin und Chronobiologie dazu: «Wir vermuten, dass sich das Apnoe Syndrom bei Frauen anders als bei Männern präsentiert, beispielsweise mit Schlafstörungen und oder als Depressionen.»Alarmsignale sind dabei unerklärliche Müdigkeit und Antriebslosigkeit, denn die Betroffenen selbst wachen in der Regel nicht auf. Oft ist es so, dass der Partner die nächtlichen Atempausen bemerkt. Dann empfiehlt sich der Gang zu einem Schlafmediziner, um die Diagnose zu bestätigen und die passende Therapie zu finden, zum Beispiel der Einsatz einer Schlafmaske. Bundesweit gibt es bereits 30 Schlafzentren und weitere Schlaflabore.

Griff zu Schlafmitteln vermeiden

Frauen leiden ausserdem oft an Insomnie, also Schlaflosigkeit oder Einschlaf- und Durchschlafstörungen. Die Ursache dafür ist meist eine Depression. Von Schlaftabletten rät der Experte allerdings ab: «Das kann zu einer Abhängigkeit führen. Das Gedächtnis leidet und es kann durch die Schlafmittel zu schweren Stürzen kommen, wenn die Menschen in der Nacht aufstehen müssen.»
Sehr verbreitet bei Frauen ab 60 Jahren ist auch das «Restless-Legs-Syndrom», also das Kribbeln in den Beinen oder Schmerzen in den Beinen, die das Einschlafen verhindern. In einem klinischen Kontext wurde für die Missempfindung in den Beinen eine Prävalenz, also eine Häufigkeitsrate, von bis zu 20 Prozent bei Frauen über 65 Jahren festgestellt. 
Beim Restless-Legs-Syndrom gibt es eine primäre und eine sekundäre Form. Die primäre Form ist oft vererbt und eine Ursache nicht auffindbar, dennoch gibt sehr wirksame medikamentöse Therapien. Die sekundäre Form wird oft durch Eisenmangel, eine verminderte Nierenfunktion oder Nebenwirkungen von Medikamenten ausgelöst. Hier kann eine gezielte Diagnose entsprechende Abhilfe schaffen.

Die «Innere Uhr» richtig stellen

Wer selbst etwas für einen besseren Schlaf tun möchte, sollte wissen, wie die «Innere Uhr» funktioniert. Denn es gibt sie wirklich: Sie heisst «Nucleus suprachiasmaticus» und liegt über den Augen direkt hinter der Stirn. Genauer gesagt handelt es sich um einen Zellhaufen über einer Kreuzung der Sehnervenbahnen, der alle Körperfunktionen mit dem Schlafhormon Melatonin, das meist vom späten Abend an im Körper freigesetzt wird, kontrolliert.
Am Morgen wird das Melatonin durch den Einfluss von Licht blockiert. Deshalb ist die Lichtexposition am Morgen sehr wichtig, umgekehrt sollte zu viel Licht am Abend vermieden werden. Wichtig ist alles, was den 24-Stunden-Rhythmus stabilisiert: Tagsüber viel Bewegung und Aktivität und möglichst auf ein Nickerchen am Nachmittag verzichten. Dann klappt es auch mit der Nachtruhe.