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Fachbeitrag

Hyperhidrose: Hilfe bei übermässigem Schwitzen

Von Dr. med. Natalie Kuchen & Prof. Dr. med. O. Schöb - Chirurgisches Zentrum Zürich · 2016

Anatomie des Grenzsstranges und üblicherweise entferntes Segment bei der thorakoskopischen Sympathektomie Höhe 2.-4. Rippe (Kreisfokus)

Hyperhidrose betrifft etwa zwei Prozent der Schweizer Bevölkerung. Die körperlichen und psychischen Auswirkungen führen zu enormen Belastungssituationen.
Dabei kann ein risikoarmer Eingriff ganz einfach Abhilfe schaffen.

Schwitzen ist ein lebenswichtiger Vorgang. Es dient der Regulation der Körpertemperatur, indem es durch Verdunstung den Körper abkühlt, sodass der Organismus vor Überhitzung geschützt wird. Somit führt eine hohe Aussentemperatur, Fieber oder körperliche Anstrengung zu vermehrter Schweissbildung. Die Regulation der Schweissdrüsen erfolgt über das sympathische Nervensystem. Der sympathische Grenzstrang verläuft beidseits entlang der Wirbelsäule. Werden die Schweissdrüsen durch das sympathische Nervensystem überstimuliert, kommt es zu krankhaft vermehrter Schweissbildung (primäre Hyperhidrose). Wird das übermässige Schwitzen durch andere Krankheiten oder Störungen wie hormonelle Störungen, schwere psychiatrische Erkrankungen, krankhaftes Übergewicht oder Medikamentennebenwirkung verursacht, spricht man von einer sekundären Hyperhidrose, welche stets ausgeschlossen und gegebenenfalls behandelt werden muss. 

Unangenehme Begleiterscheinungen 

Etwa zwei Prozent der Menschen in der Schweiz leiden an dem Krankheitsbild der Hyperhidrose, wobei es unabhängig von der physiologischen Wärmeregulation zu unkontrollierbarer Schweiss-sekretion kommt. Die Hyperhidrose tritt bevorzugt an Handflächen, Fusssohlen, Achselhöhlen und im Gesicht auf und wird typischerweise bei Stresssituationen noch verstärkt. Die Betroffenen sind in ihrer Lebensqualität deutlich eingeschränkt. Neben den feuchten Handflächen und den Schwitzflecken an den Kleidern, leiden sie auch an möglichen körperlichen Folgen, wie Ekzeme, Pilzbefall und Neurodermitis. Nicht selten ist eine zunehmende psychische Belastung, welche in der Vermeidung sozialer Kontakte im Berufs- und Privatleben zum Ausdruck kommt und durchaus zu schwerer Isolation und sogar zu depressiver Verstimmung oder gar psychischer Krankheit führen kann. 

Intraoperative Darstellung des Sympathischen Grenzstranges in der Brusthöhle neben der Wirbelsäule

Sympathikus-Blockade am wirksamsten

Es gibt eine ganze Palette möglicher Therapien – von Antiperspiranzien über Medikamente und Injektionen mit Botulinumtoxin bis hin zu Akupunktur. Alle diese Massnahmen führen häufig nicht zu einer dauerhaften Linderung der Beschwerden. 
Deshalb ist bei schweren Fällen das operative Vorgehen mittels endoskopischer Sympathektomie ratsam. Mit dieser Operation kann die vegetative Überstimulation der Schweissdrüsen gezielt ausgeschaltet werden. Beim übermässigen Schwitzen der Handflächen und Achselhöhlen wird in der sogenannten «Schlüsselloch-Technik»ƒ mit Hilfe einer in den Brustraum vorgeschobenen Videokamera der sympathische Grenzstrang auf Höhe der Brustwirbelsäule durchtrennt. Die Operation erfolgt über drei kleine, etwa ein Zentimeter lange Hautschnitte in und leicht unterhalb der Achselhöhle. Der entsprechende Lungenflügel wird kurzzeitig nicht beatmet und fällt in sich zusammen. Dies ermöglicht die Spiegelung der Brusthöhle, und der sympathische Grenzstrang wird aufgesucht und teilweise entfernt. In der gleichen Narkose erfolgt auch die Operation der Gegenseite. 
Bei isoliertem Schwitzen an den Füssen (plantare Hyperhidrose) erfolgt eine Durchtrennung des sympathischen Grenzstranges auf Höhe der Lendenwirbelsäule (endoskopische lumbale Sympathektomie). Auch dieser Eingriff kann in der schonenden «Schlüsselloch-Technik» mittels Video-Endoskopie über drei kleine Hautschnitte am Bauch durchgeführt werden.

Risikoarmer Eingriff, dauerhaftes Resultat 

Der Effekt einer Sympathektomie tritt unmittelbar postoperativ auf. Die Betroffenen wachen mit trockenen Händen und Achselhöhlen oder Füssen aus der Narkose auf. Das Risiko dieser Therapieform ist gerinn und der Erfolg nachhaltig. Ein wiederauftreten von übermässigem Schwitzen in der operierten Zone ist äusserst selten, und unangenehme Nebenwirkungen hat die Therapie kaum. Gelegentlich tritt nach der Operation ein kompensatorisches Schwitzen an anderen Körperregionen auf wie Bauch, Rücken oder Gesäss, welches jedoch selten als störend empfunden wird.