Schönheit

Die Last des Äusseren

Von Nadine Effert · 2015

Durch dick und dünn: Schönheitsideale unterliegen dem Wandel der Zeit.
Die Figur, die heute viele Frauen zwanghaft anstreben, ist nur vermeintlich schön und macht krank.

Sie war das Sexsymbol der 1950er Jahre: Marylin Monroe. Weiblicher Körper mit ordentlich Oberweite und Hüfte, schmale Taille. Die sogenannte Sanduhr-Figur galt damals als Inbegriff der Weiblichkeit. Und was kam danach? Das erste echte Top-Model, Bohnenstange Twiggy, in den 1960ern, der Aerobic-Boom in den 1980ern, der «Heroin Chic» in den 1990er Jahren, gefolgt von Models, die in Size Zero über den Laufsteg staksen. 
Dünn-Sein entwickelte sich in den letzten fünf Jahrzehnten immer mehr zum Synonym für Attraktivität, Erfolg und Anerkennung. Die Prämisse «Je schlanker, desto hübscher» hat zur Folge, dass viele Frauen sich beim Blick in den Spiegel zu dick finden, obwohl sie laut Body Mass Index normal- oder bereits untergewichtig sind. Zwanghaftes Sporttreiben und Essstörungen können die Folge sein. 

Frauen sind anfälliger

In der Schweiz treten Essstörungen im europäischen Vergleich häufiger auf: 3,5 Prozent der Bevölkerung leiden oder litten an Magersucht, Bulimie (Heisshungerattacken mit anschliessendem Erbrechen) oder einer Binge-Eating-Störung (Essanfälle). Das sind doppelt so viele wie etwa im Nachbarland Deutschland. Woran das liegt, darauf liefert die Studie «Prävalenz von Ess-störungen in der Schweiz» des Universitätsspitals Zürich, aus der die Zahlen stammen, keine Antwort. 
Warum allerdings bei Frauen der Wert mit 5,3 Prozent deutlich höher liegt als bei Männern mit 1,5 Prozent, führt eine andere Studie auf eine unterschiedliche geschlechterspezifische Selbstwahrnehmung zurück. Forscher der University of Glasgow haben herausgefunden, dass Frauen sich bis zu zehn Mal häufiger als zu füllig einschätzen als das männliche Geschlecht. Männer halten sich figürlich für völlig normal, obwohl sie eigentlich schon zu viel auf den Rippen haben. 
Eine verzerrte Körperwahrnehmung ist ein typisches Symptom bei Magersucht. Auch wenn für die Erkrankung nicht immer allein das vorherrschende Schönheitsideal verantwortlich ist, sondern in vielen Fällen etwa eine genetische Veranlagung oder traumatische Erlebnisse, bleibt zu hoffen, dass in Zukunft in puncto Figur gilt: «Je normaler, desto hübscher».